Filme & Serien
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Lost, getötet und verscharrt in Translation

Der Tweet “Ihr seid auch nicht cooler, nur weil ihr Serien und Filme im Original schaut!” löste vor kurzem mal wieder eine kleine Diskussion im Paralleluniversum Twitter aus. Es vermittelt anscheinend die eigene Hochnäsigkeit, wenn man sagt, dass man lieber die englische Originalversion schaut? Ich finde nicht. Ich finde eher, es ist die logische Konsequenz, wenn man Filme/Serien liebt und die englische Sprache einigermaßen versteht. Warum? Ich versuche mal ein paar Beispiele zu bringen, warum ich zu der Fraktion gehöre, die viele Perlen der Film- und Fernsehgeschichte nicht mögen würde, wenn sie nur die Synchro gesehen hätten. Vielleicht verstehen manche dann besser, warum viele so allergisch auf Synchronisiertes reagieren.

Monty Pythons “Ritter der Kokosnuss” ist so eine Perle, die ich als Kind nur auf Deutsch gesehen, geliebt habe und dann fast vom Sofa gefallen bin, als ich mir mal das Original angesehen habe. Ich glaube kaum, dass ich übertreibe, wenn ich sage, dass der deutsche Film ein anderer ist. Teilweise wurden ganze Dialoge komplett umgeändert. Kleine Kostprobe? Ein Gespräch, das mir im Gedächtnis geblieben ist, ist folgendes: Eine angebliche Hexe wird angeklagt und die Dorfbewohner zählen munter auf, was sie alles Schlimmes getan hat. John Cleese sagt dann: “She turned me into a newt.” – [Woraufhin ihn Terry Jones skeptisch ansieht] “A newt?” – “… it got better.” (Beweisstück A)

Im Deutschen? Da ist es, sagen wir mal, äh, ähnlich: „Sie hat aus meinem Rüpel eine Wasserpfeife gemacht.“ – [Worauf ihn Terry Jones skeptisch ansieht] „Lass dich ansehen.“ – „… geht schon wieder.“ (Beweisstück B – ab circa 1 Minute)

jc——-

Ein weiteres, wunderbares Beispiel ist der Film „What’s new Pussycat?/Was gibt Neues, Pussy?“. Den Film habe ich vor langer Zeit ebenfalls auf Deutsch gesehen. Peter Sellers spielt hier den russischen Psychoanalytiker Dr. Nikita Popowitsch inklusive aller Klischees. Ein großartiger Film, den man unbedingt gesehen habe sollte, ich amüsierte mich gut. Doch dann im Abspann wunderte ich mich über den Eintrag, dass Peter Sellers angeblich in der Rolle des Dr. Fritz Fassbender zu sehen gewesen sein soll. Hm? Noch einmal im Original angesehen stellte sich heraus, dass er gar nicht einen russischen Arzt, sondern einen Deutschen, eben Dr. Fritz Wolfgang Sigisfreud Fassbender spielt. In der Übersetzung wurde also seine komplette Rolle für das deutsche Publikum umgeschrieben und natürlich damit auch sämtliche Klischee-Anspielungen im Film (Einblick ins Original). Und außerdem sind mir dann beim erneuten Ansehen auch ein paar überflüssige Änderungen in den Dialogen im Gedächtnis geblieben, wie zum Beispiel:

“Is she prettier than me?!” – ”Is she prettier than you? I am prettier
than you!” wird zu “Hat sie eine schönere Figur als ich?!” – “Schönere Figur? Dreimal geht sie in dich hinein! Ich bin ja schon hübscher als du!”

lk——-

Ich hätte da auch noch was aus der Serie Friends. Letztes Jahr habe ich mir die Friends-Superbox gekauft und habe immer mit meiner Mutter DVDs hin und her getauscht, so dass wir es gleichzeitig, um ein paar Folgen versetzt, gucken konnten. Wenn ich bei ihr war, habe ich dann oft bei ihr auf Deutsch mitgeguckt. Dabei war ich schon vor meinen Lieblingsszenen immer ganz vorfreudig und dann … kamen sie oft nicht, weil der Witz einfach komplett umgeändert wurde. Ein Beispiel? Wer Friends kennt, weiß, dass Rachel als verwöhntes Töchterchen nach New York kommt und nicht viel mehr als Shopping in ihrem Köpfchen hat. Irgendwann (Folge 1.18) will sie sich einen Job suchen und bewirbt sich in einem Modeladen (Sak’s, Fifth Avenue). Sie bekommt ein Bewerbungsgespräch. Im Original freut sich Phoebe mit ihr: „Oh, it’s like the mothership is calling you home!” (Brüller!) woraus im Deutschen wird: “Ich habe nicht geglaubt, dass jemand auf deinen Lebenslauf reinfällt!”. Äh.

Friends ist übrigens auch so eine Serie, bei der man aus jeder Folge ein paar Szenen raussuchen könnte, die komplett geändert wurden. Im Original es ist auch oftmals sehr viel anzüglicher, im Deutschen hingegen sehr entschärft. In Folge 6, Staffel 2, schwillt Ross nach einer allergischen Reaktion sein Zunge an. Joey versteht sein Gebrabbel trotzdem noch, was Chandler wundert. Joey erklärt: „Yeah, my oncle Sal has a really big tongue.“ – “Is he the one with the beautiful wife?” und Joey nickt. Im Deutschen: “Du hast das verstanden?” – „Ja, mein Schauspiellehrer hat auch immer so gesprochen.“ – „Der, der dann später Sänger geworden ist?“ und Joey nickt.

rf——-

Das sind ja nun alles relativ alte Beispiele. Ich finde schon, dass es solche Kopfschüttel-Übersetzungsmoment weniger gibt (oder kommt es mir nur so vor?). Trotzdem gibt es da noch ein neueres Beispiel, bei dem ich immer wieder unendlich fassungslos bin: The IT-Crowd, die immerhin zu meinen absoluten Lieblingsserien zählt. Auf Deutsch wiederum kann ich sie überhaupt nicht empfehlen. Natürlich ist das eine Serie, die von den Eigenheiten ihrer Darsteller lebt. Da kann schon die Synchro nur verlieren oder hat es zumindest sehr, sehr schwer. Aber auch hier habe ich nur vom kurzen Reinsehen schon Gänsehaut bekommen.

Auch hier ein Beispiel? Es gibt die großartige Folge „The Red Door“ und hinter dieser Tür befindet sich der Serverraum, in dem der abgeschobene Goth Richmond lebt. Lange, schwarze, glatte Haare, blasses Make-Up, schwarze Klamotten. In einer Szene spricht dann Maurice Moss über ihn und sagt im Original: „…And unless I do something it’s just going to be you, me and [zeigt auf Richmond] Tim Burton over there.” Wer Tim Burton kennt weiß, dass Richmond also überhaupt nicht wie er aussieht. Trotzdem passt es irgendwie, weil er optisch einem Burton-Film entsprungen sein könnte und man lacht einfach, weil Moss diesen vollkommen unpassenden Vergleich bringt. Man überlegt jedenfalls erst einmal. Was sagt Moss im Deutschen? „…und Marilyn Manson dort.“ Was also nicht mehr witzig ist, weil Richmond wirklich Ähnlichkeiten mit dem Rocker hat. Aber das deutsche Publikum kann anscheinend nicht die Transferleistung vom Aussehen Tim Burtons bringen (kennt ihn vermutlich nicht) und daher macht man es ihnen einfach? Gag-Moment verschenkt. (Anzusehen ist es hier nach circa 0:35 Minuten)

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Was mich an diesen Übersetzungsböllern so sprachlos macht ist, dass man dem deutschen Zuschauer nicht viel zumutet. Es wird ihnen anscheinend nicht zugetraut mal ein wenig um die Ecke zu denken (Moss‘ Tim Burton Vergleich) oder sie können nicht über sich selber lachen (Peter Sellers‘ Dr. Fritz Fassbender) oder sie mögen lieber Witze unter der Gürtellinie (Monty Pythons Hexenprozess) oder lieber doch nichts unter der Gürtellinie (Zungengespräch von Joey und Chandler) und lieben die plumpe Schadenfreude (Phoebes Reaktion auf Rachels Bewerbungsgespräch).

Es gibt natürlich auch Übersetzungen, die ich persönlich richtig gut gelungen finde. Zum Beispiel „Little Britain“. Da merkt man dann aber, dass da wirklich zwei Leute, nämlich Oliver Kalkofe und Oliver Welke, hinterstecken, die diese Serie so sehr geliebt haben, dass sie das Beste aus ihr herausholen wollten. Ich persönlich mag auch die Synchro von „Sherlock“, auch wenn sich da die Gemüter mal wieder scheiden. Aber ich finde auch da hat man sich wirklich Mühe gegeben nah am Original zu bleiben und vor allem die vielen kleinen Anspielungen, auf die Originalgeschichten zum Beispiel, nicht kaputt zu machen. Ich finde schon, dass man auch dort merkt, dass da jemand mit Herzblut am Werk war und da ziehe ich wirklich den Hut.

Auf jeden Fall ziehe ich ohnehin den Hut vor den Übersetzern all dieser Serien und Filme. Es gibt fast immer Wortwitze, die gar nicht zu übersetzen sind. Und trotzdem gelingt in es vielen Fällen, das clever ins Deutsche zu bringen. Was ich nur einfach nicht verstehe ist es, wenn Dinge, die ohne Probleme eins zu eins zu übersetzen wären komplett geändert werden. Aber wenn mich mein Gefühl nicht täuscht, passiert es immer seltener. Vielleicht, weil man dem Zuschauer heute mehr zutraut und vielleicht auch, weil immer mehr auch die Originale kennen und daher mehr darauf achten. Dann kann ich nur sagen: Weiter so!

Und wenn daher jemand lieber Filme und Serien im Original sieht, heißt das nicht, dass er damit rumprahlen will wie geil sein Englisch ist, sondern, dass man eben den Film/die Serie so sehen möchte, wie es von den Erschaffern gedacht war. Auf dem Weg ins Deutsche geht nunmal mehr oder weniger viel verloren und oftmals auch ganz viel Witz und Charme. Das ist alles.

2 Comments

  1. Mein Highlight, was vollkommen schwachsinnige Synchronisationen angeht, ist ja immer noch die Serie “Heroes”. Dort gibt es den japanischen Charakter Hiro Nakamura. In der Originalfassung spricht Hiro überwiegend japanisch und verbessert erst im Laufe der Serie sein eher gebrochenes Englisch. D.h., er wird die meiste Zeit untertitelt. In der deutschen Fassung spricht er allerdings nicht japanisch, sondern sein Text wird deutsch synchronisiert, also ohne Untertitel. Das wird vor allem dann groteskt, wenn er sich später mit Amerikanern unterhält. Dann unterhält er sich nämlich mit seinem Gegenüber in einer Art “gebrochenem deutsch”, die sein Gesprächspartner komischerweise nicht versteht.
    Warum die im deutschen nicht einfach auch die Untertitel gelassen haben, ist mir absolut schleierhaft. Bei Sun und Jin von Lost hat es doch vorher auch geklappt.

    Ansonsten stimme ich dir natürlich bei und bin auch “Pro Originalfassung”.

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    • Von dem “Heroes”-Synchrounfall hatte ich auch schon gelesen, kenne die Serie nur leider (noch) nicht. Ich verstehe auch nicht, warum man es ändert. Man fragt sich dann, ob die Verantwortlichen sich überhaupt mal inhaltlich anhören, was sie da machen. Denn dann merkt ja eigentlich jeder, dass das keinen Sinn ergibt. Man wundert sich …

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