Tagebuch
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Entrümpeln im Minimalismus-Style

Kennt ihr das, wenn euch Bücher oder Gespräche oder Dokumentationen zu bestimmten Themen ganz zufällig zur genau richtigen Zeit erreichen? Ohne, dass ihr danach gesucht habe oder euch überhaupt bewusst war, dass das Thema jetzt genau in euer Leben passt? Mir ging es nun so mit dem E-Book „Minimalist: Mehr Freiheit. Mehr Geld. Mehr Glück“ von Sina Jasur. Ich habe nach langer Zeit mal wieder ausgiebig im Kindle-Store gestöbert und hatte eigentlich nach etwas komplett anderem geschaut, als mir das Buch empfohlen wurde. Mit dem Thema Minimalismus hatte ich mich vor ein paar Jahren schon einmal beschäftigt, nachdem ich einen kleinen TV-Beitrag darüber gesehen hatte.

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Beim Minimalismus geht es im Großen und Ganzen darum, mit so wenig wie möglich auszukommen. Das meiste, was wir besitzen, brauchen wir gar nicht und es nimmt nur Platz weg und raubt letztlich unsere Zeit, weil wir uns darum kümmern müssen – und sei es nur das ständige Abstauben. Das Thema fasziniert mich total, weil ich so ziemlich das absolute Gegenteil einer Minimalistin bin. Ich liebe schöne Dinge und ich umgebe mich gerne damit, seien es Erinnerungsstücke oder Bilder und Fotos und meine ganze Wohnung ist voll mit Kram.

Und doch gibt es in meinem Leben immer wieder Phasen, in denen ich das Gefühl habe, dass ich etwas ändern muss. In den letzten Jahren waren es dann Ernährungsumstellungen, immer wieder der Verzicht für eine Weile auf irgendwas, wie das Internet, oder ich habe beim Konsumfasten mitgemacht und meistens fange ich dann auch immer an, meine Wohnung zu verändern. Und dann sortiere ich zum Beispiel Dinge aus, um „Ballast“ abzuwerfen. Jetzt gerade bin ich auch wieder in so einer Phase und daher kam mir das Buch ganz recht. Leider war es viel (viel!) zu kurz, es ist mehr so ein Büchlein (passend zum Thema Minimalismus, höhö…), aber hat mir doch wieder Motivation gegeben, das Thema „Ausmisten“ noch einmal richtig radikal anzugehen. Also sitze ich hier nun und überlege, in welcher Ecke meiner Wohnung ich als erstes Tabula rasa mache…

Bücher, DVDs, CDs und Co.

Was Bücher und Co angeht, da bin ich schon recht stolz auf mich, weil ich mich da in den letzten Jahren schon ziemlich verändert habe. Ich muss nicht mehr alles in „echt“ besitzen. Inzwischen habe ich auch digitale Ausgaben lieb gewonnen. Ich lese seit Weihnachten 2011 gerne mit meinem E-Reader, kaufe so gut wie keine DVDs mehr, weil ich Netflix und Co. zum Streamen nutze, kann dank Chromecast das dann auch auf dem Fernseher ansehen und Musik kaufe ich fast nur noch als MP3-Download. Letzteres hat sich in meinem Leben schon so sehr etabliert, dass ich vor einigen Wochen sogar meine Soundanlage inklusive CD-Player eingemottet habe, weil ich es zum Hören von Musik gar nicht mehr nutze. Auch PC-Spiele kaufe und lade ich inzwischen fast nur noch über Steam. Hörbücher sind in meiner Audible-Bibliothek und können von dort aus auf all meinen Geräten abgespielt werden.

Und das Einfache daran ist ja, das wir inzwischen alles in irgendwelchen Clouds speichern können. Vor ein paar Jahren war die Option alles digital zu besitzen keine für mich, weil ich schon zu viele schmerzhafte Festplattencrashs mitgemacht hatte. Aber jetzt ist es ja regelrecht unmöglich Daten zu verlieren, weil fast alles irgendwo (ich möchte fast sagen „metaphysisch“) gesichert ist oder sich sichern lässt.

Und trotzdem, die größte Hürde, die die meisten Büchermenschen hier sicherlich nachvollziehen können: Ich liebe Bücher und manche liebe ich so sehr, dass ich sie einfach in meinem Regal haben möchte. Und dann freue ich mich jedes Mal, wenn ich davor stehe und all die Schätze mit ihren vielen tollen Geschichten ansehe und die Erinnerungen daran wiederkommen. Mit DVDs verhält es sich bei mir so ähnlich wie mit den Büchern. Manche MUSS man einfach besitzen. Spätestens dann, wenn das Internet und damit das Streamen mal nicht funktioniert, bin ich froh, doch noch einige meiner Lieblingsfilme und -serien im Schrank stehen zu haben. Und Lieblingsbücher und -DVDs verleihe ich auch so gerne. Gleichzeitig habe ich immer wieder Phasen, in denen ich radikal aussortiere. Ich habe einen Bücherschrank, in dem ich meine Lieblingsbücher und ungelesene Bücher meiner Lieblingsautoren horte. Immer, wenn der Schrank droht aus den Nähten zu platzen, zwinge ich mich, so viel auszusortieren, bis wieder alles passt. Und ich habe noch ein kleines Regal, in dem meine ungelesenen Bücher sind. Hier gehe ich dann auch immer mal durch und sortiere aus, welche ich wohl auch in den nächsten 100 Jahren nicht mehr lesen werde, weil sich einfach mein Lesegeschmack geändert hat.

Meine Bücher- und Co.-Ecke

Joa, Minimalismus ist anders😉

Was mir auf jeden Fall geholfen hat, mich von Büchern zu trennen, ist das Bookcrossing. Hier kann man Bücher registrieren und dann „freilassen“ – also entweder man legt sie irgendwo hin, wo andere sie finden oder gibt sie persönlich weiter. Die nächsten können dann online eine Nachricht oder Rezension bei dem Buch hinterlassen und lassen es dann ebenfalls wieder frei. So kann man seine Bücher weitergeben und bestenfalls „hört“ man von ihnen immer mal, wo sie gerade sind und wer sie gerade liest.

Jedenfalls weiß ich, dass ich mich in leeren Wohnungen einfach nicht wohl fühle und erst recht in keinen, in denen es keine Bücher gibt. Das sind also so Dinge, von denen ich mich nie ganz trennen könnte. Reduzieren ja, aber ganz ohne meine Bücher und DVDs kann ich mir ein Leben dann doch nicht vorstellen.

Und doch ist es irgendwie so befreiend

Ja, wie gut man sich fühlen kann, wenn man aufgeräumt hat und Platz geschaffen hat, kennen wir sicherlich alle. Vor allem, wenn man sich endlich von Dingen getrennt hat, die einen irgendwie belastet haben, die man aus welchen Gründen auch immer doch nie so richtig weggeben wollte. Mir ging es so, als ich nach dem Studium mein Motorrad verkauft habe. Ich hatte so unendlich viele schöne Erinnerungen an die Ausfahrten und Touren damit, aber je weniger Zeit ich dafür hatte, umso mehr belastete der Besitz mich. Ich bin irgendwann nur noch hin und wieder damit gefahren, damit es gerechtfertigt war, es in der Garage stehen zu haben – und jedes Jahr Steuern, Versicherung und Co. zu zahlen. Aber ich konnte mir aus oben genannten Gründen auch einfach nicht vorstellen, es zu verkaufen. Als mein ganzes Erspartes für die Studiengebühren draufgegangen war, hatte ich dann keine wirkliche Wahl mehr und als mein Motorrad schließlich in gute Hände kam, war es unglaublich befreiend, diese Sorge weniger zu haben. So bewusst habe ich das zumindest noch nie erlebt. Das ist nur ein Beispiel von vielen – da wären zum Beispiel noch die alten Liebesbriefe der letzten mehr oder weniger großen Lieben, von denen man sich nur schwer trennen kann und tut man es doch, fühlt es sich so befreiend an. Warum machen wir sowas also eigentlich nicht viel öfter?

Doch all die schönen Dinge!

Wenn ich so durch meine Wohnung gehe, ist da doch ganz schön viel Kram, der nicht funktionell ist, sondern – für mich – einfach nur hübsch oder voll mit Erinnerungen. So vieles davon könnte ich nie wegstellen, geschweige denn wegwerfen. Ich habe immer gerne Flohmärkte durchforstet und was mir gefiel, musste mit. Ob es das kitschige Liebespaar-Bild aus den 1920er Jahren ist, der Mucha-Spiegel im Jugendstil oder die große Batman-Actionfigur, die jetzt meine DVDs bewacht. Oder die Figuren meiner Lieblings-Roboter und -Androiden. Ich mag das. Und ich umgebe mich gerne damit. Eine Wohnung ohne all das wäre einfach nicht mein Zuhause.

Ich bin auf jeden Fall immer noch fasziniert von dieser Minimalismus-Idee. Ich werde nie mit einem Rucksack voll Dingen auskommen können (wobei … man müsste erst die Größe des Rucksacks definieren…), aber gerade, weil ich immer viele Dinge um mich herum haben muss, um mich wohl zu fühlen, finde ich es total spannend. Vor allem geht es beim Minimalismus ja nicht darum, weniger Deko zum Abstauben zu haben. Es geht auch darum nachhaltig zu leben, es bezieht sich genau so aufs Essen und vor allem geht es darum, mehr Zeit für wichtige Dinge zu haben, weil man sich um weniger kümmern muss. In der Zeit, mit der man mit dem Auto zum TÜV muss, hätte man etwas Netteres machen können. Und da bin ich dann wieder ganz Ohr. Ich werde mich in den nächsten Wochen mal darauf einlassen und überlegen, wie und wo ich das bei mir noch so umsetzen kann. Ich berichte bestimmt😉

Interessante Links zum Thema:

  • Der Blog von Sina Jasur, deren Buch zum Thema ich gerade verschlungen habe.
  • Hier hat sie einen tollen Artikel verlinkt, über Menschen, die minimalistisch leben.
  • Ich mag sehr die Videos von Kirsten Dirksen, die ich ebenfalls durch das Buch von Sina Jasur gefunden habe. Sie besucht Menschen, die in winzigen Häusern wohnen und ebenfalls nur mit dem Nötigsten auskommen.
  • Den TV-Beitrag, den ich damals gesehen habe, finde ich leider nirgends mehr im Netz (er war von 2011). Es ging aber in ihm um Sebastian und seinen Blog Mr. Minimalist.
  • Und YouTube ist voll mit Videos zu dem Suchbegriff Minimalismus – klickt euch einfach mal durch.

3 Comments

  1. Hallo Frl. Cookie,

    Minimalismus bedeutet nicht zwangsläufig, dass du nur 100 Dinge oder einen Rucksack voller Besitz haben “darfst”. Gerade in der deutschen Minimalismus-(Blogger-)Szene (wenn man das so nennen will) wird immer wieder betont, dass es darum geht, herauszufinden, wie viel genug für dich ist. Es geht also um ein ganz individuelles Gefühl, das sich meiner Erfahrung nach über die Zeit sehr verändern wird. Es gibt Phasen, da gibt man ohne mit der Wimper zu zucken ab, und ein paar Monate später hängt man plötzlich an jeder DVD. Selbst wenn man weiß, dass es a) kein guter Film war und man ihn b) nie wieder anschauen möchte.

    Kleiner Tipp in Sachen Bücher: Wenn dir Bookcrossing zu aufwendig ist, dann kannst du deine Bücher auch in einer der vielen öffentlichen Bücherschränke stellen. Eine Liste findest du hier auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_%C3%B6ffentlicher_B%C3%BCcherschr%C3%A4nke

    Viel Erfolg auf deinem Weg zu einem einfacheren Leben und liebe Grüße,
    Svenja (Apfelmädchen)

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    • Hallo Svenja,
      ich würde die Idee des Minimalismus auch nur als eine Art Leitfaden verstehen, denn komplett umsetzen könnte ich es eh nie, da bin ich doch viel zu sehr Maximalistin😉 Und ja, die Phasen kenne ich nur zu gut, mal kann man sich rigoros von allem trennen, mal hängt das Herz an jedem kleinen Teil… Daher nutze ich immer erstere und versuche mir in der Zeit immer ganz viel Motivation zu verschaffen. Mal sehen, wie weit ich dieses Mal komme.

      Die Bücherschränke finde ich auch super. Ich werde mal stöbern. Danke für den Tipp!

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