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[Spiele] Gloom

Wir haben uns heute hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Professorin Helena Slogar, exzentrische Erfinderin. Sie liebte das Gärtnern, lange Spaziergänge im Mondlicht und das Reanimieren von Toten. Nun ist sie selber tot, versehentlich eingebacken in einen Kuchen. Möge sie in Frieden ruhen.

Gloom_cover

Und damit willkommen zu dem schaurig-schönen Kartenspiel „Gloom“! Es ist bei Atlas Games erschienen und bisher (leider) nur in englischer Sprache zu haben. Wen das nicht stört und wer düstere Geschichten mag, dem kann ich das Spiel nur wärmstens ans Herz legen.

Und darum geht es:
Jeder Spieler erhält Personen-Karten einer herrlich verschrobenen Familie. Zu sehen sind darauf nicht nur die entzückenden Charaktere, sondern zu jedem Mitglied gibt es noch einen kleinen beschreibenden Text. Und nun geht es darum, diesen Leuten das Leben erst zur Hölle zu machen und dann, wenn es ihnen richtig mies geht, muss man sie sterben lassen. So schön!

Die Charakterkarten

Dazu spielen wir mit „Modifier Cards“. Diese Karten werden auf die Charaktere gespielt und zeigen an, was ihnen so passiert. Zum Beispiel gibt es die negativen, die den „Self-Worth Score“ der jeweiligen Person reduzieren (was gut ist, denn das wollen wir ja). Zum Beispiel „Was Ruined by Rum“ (-25 Punkte) oder „Was Jinxed by Gypsies“ (-30 Punkte). Es gibt aber auch gute Ereignisse, die unsere Leute wieder fröhlich machen, zum Beispiel mit „Found Love on the Lake” (+15 Punkte). Aaaw! Aber das ist doof, das wollen wir nicht, denn sie sollen ja leiden! Also kann man diese Karten einfach auf die Familie seines Mitspielers spielen. Und damit kommen wir auch schon zu dem Punkt, der dieses Spiel so liebenswert macht: Durch die kleinen Texte und Beschreibungen zu den Ereignissen und Personen entstehen automatisch Geschichten, die man sich beim Spielen gegenseitig erzählt.

Die soziopathischen Zwillinge der Familie Wellington-Smythe ärgerten am liebsten Tiere. Dabei wurden sie einmal schwer von Wespen verwundet (-15 Punkte), als sie in ihrem Nest herumstocherten. Und einmal von Pudeln verfolgt, nachdem sie diese mit Sand beworfen haben (-15 Punkte „They may look silly, but they can strip the meat off a rhinoceros in less than minute“). Dann unterlagen sie einst aber dem Charme des Zirkusses (leider hatten sie Spaß, also +10 Punkte), wo sie viele gefährliche Tiere auf einmal ärgern konnten. Dort wurden sie allerdings von den Tigern verhöhnt, weil diese die Kinder und ihre Sticheleien einfach ignorierten (-30 Punkte) und schließlich wurden sie von den Bären gefressen. Ende.

Der Clou am Ganzen sind außerdem die Karten selber. Sie sind nicht nur entzückend gestaltet, sondern transparent. Die Modifier-Karten werden daher einfach auf die Person gelegt und zeigen direkt die aktuelle Punktzahl an. Die Punkte können sich dabei auch verdecken, wenn mehrere Karten aufeinander liegen, und sich somit gegenseitig aufheben. Alles, was sichtbar ist, zählt.

Mehr davon!
Ich bin wirklich schwer angetan von „Gloom“ und bin schon sehr gespannt auf die ganzen Erweiterungen. Bei Atlas Games gibt es eine Übersicht, was man noch dazukaufen kann. Ich habe inzwischen noch „Unhappy Homes“, wo man die Familie um ein Haus ergänzt und es gibt weitere zusätzliche Karten. Die verlinkte Seite zum Spiel ist ohnehin ganz toll, weil es viel Download-Kram rund um das Spiel gibt. Wer „Gloom“ mag, sollte dort unbedingt mal reinklicken!

Musikempfehlung:
Everything gloomy! Etwas Klassisches vielleicht – wie wäre Danse Macabre? Soundtracks viktorianischer Gruselfilme sind auch super. Bei YouTube finden sich auch andere tolle Playlisten mit passender schauriger Musik. Oder einfach die alten Gothic-Platten rausholen. Hauptsache der rote (!) Wein schmeckt dazu.

Ihr wollt jetzt doch mal sehen, wie es gespielt wird? Wil Wheaton hat da mal etwas vorbereitet:

 

6 Comments

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  3. Ich habe mir das Spiel auch schon besorgt, aber zum Spielen hatten wir noch keine Gelegenheit (momentan spielen wir “Maus und Mystik” durch). Die Karten sind schon mal richtig toll, ich bin nur wegen der Sprache noch unsicher.
    Übersetzt ihr euch die Kartentexte (und klappt das gut?) oder spielt ihr gleich auf Englisch, um die Kartentexte, so wie sie sind, in den Erzählfluß einzubauen?

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    • Wir spielen hauptsächlich auf deutsch. Also lesen die Kartentexte zwar auf englisch vor, aber im Erzählfluss haben wir es dann automatisch einfach übersetzt. Ergab manchmal auch einfach Mischmasch zwischen beidem😉 das ging bisher jedenfalls sehr gut.

      “Maus und Mystik” ist wiederum bei uns noch ungespielt und ich bin so gespannt drauf. Wie gefällt es dir?

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      • Okay, ich hab mir die Mischung ein bißchen schwierig vorgestellt, dachte, das stört vielleicht die Atmosphäre – wahrscheinlich sollte ich darüber weniger nachdenken und einfach anfangen zu spielen😉

        “Maus und Mystik” ist total liebevoll gemacht und ein richtiges Wohlfühl-Spiel. Es macht Spaß, die Mäusewelt mit ihren Gegenständen zu entdecken (Knopfschild! Eichelhelm!) und durch die Erzähltexte zwischendurch fühlt man sich auch sehr, als ob man eine Geschichte durchspielt. Einige Mechanismen und die Gegnertypen wiederholen sich allerdings immer wieder. Unserer Runde gefällt es trotzdem gut, und wir werden später auch die (inzwischen zwei!) Erweiterungen spielen.

        Liked by 1 person

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