Bücher, Vegan
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[Bücher] Bettina Hennig – Ich bin dann mal vegan

Wenn ich meinem Lieblingsbuchladen einen Besuch abstatte, komme ich inzwischen nicht mehr drumherum, auch einige Zeit in der (immer größer werdenden) vegan/vegetarischen Bücher-Ecke zu stöbern. Auch wenn ich mich nun schon eine ganze Weile mit dem Thema befasse, bin ich doch neugierig, was es so Neues auf dem Markt gibt und bin jedes Mal wieder positiv überrascht.

Beim letzten Bummel entdeckte ich das Buch „Ich bin dann mal vegan“ von Bettina Hennig. Wieder ein Erfahrungsbericht. Noch schnell auf den Erfolgszug von Karen Duve mit ihrem „Anständig essen“ aufspringen, dachte ich. Und dann auch noch mit diesem abgekupferten Titel und Lobhudelei von vegan-“Der Wendler” Attila Hildmann auf dem Cover und auf dem Klappentext steht in großen Lettern “Endlich Spaß am Trend!”. Örgs … ich ließ es erst einmal links liegen. Nachdem ich meine Runde durch den Buchladen beendet hatte, stand ich dann nun doch wieder vor dem Buch und da ich Lektüre dieser Art einfach liebe, kaufte ich es doch. Manchmal ist das ja einfach so. Hoffend, dass ich es nicht bereuen würde …

Ich bin dann mal vegan

Und darum geht es
Bettina Hennig ist Journalistin und Autorin – vielleicht sagt euch ja das Buch „Der frühe Vogel kann mich mal“ was, das ist zum Beispiel von ihr – und erzählt hier von ihrer „persönlichen veganen Abenteuerreise“, wie es Attila Hildmann so schön auf dem Cover anpreist. Und mit dem geht es auch direkt los, denn Hennig traf Hildmann zu einem Interview für ein Magazin, für das sie schrieb. Zu dem Zeitpunkt war sie bereits seit einem Jahr Vegetarierin und beschließt nach dem Gespräch auch andere tierische Produkte von ihrem Speiseplan zu streichen. Und hier geht die Reise dann auch wirklich los: Sie erzählt von den Gründen, warum sie von einer Fleischliebhaberin zur Vegetarierin wurde, welche Gründe sie zum veganen Leben brachten, sie nimmt an Demos teil, geht mit anderen containern, um Lebensmittel zu retten, stößt immer wieder auf Diskussion mit den Menschen in ihrem Umfeld und berichtet vom Kennenlernen mit anderen Veganerinnen und Veganern.

Und so fand ich es
Ja, wie gesagt war ich zunächst etwas skeptisch, ob die Welt wirklich noch einen Erfahrungsbericht zur Ernährungsumstellung ohne Tierleid braucht. Eigentlich hat man ja alles schon bei Karen Duve und vor allem auch bei „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer gelesen. Und ich muss für mich sagen: Ja! Denn Bettina Hennig probiert hier nicht mal ein bisschen rum, wie Karen Duve es getan hat, und schaut dann am Ende mal, wie sie ihre Essgewohnheiten ihren neuen Erkenntnissen anpassen kann. Ziemlich schnell ist hier klar: Ich werde vegan leben!

Und ab dieser Stelle beschreibt Hennig, welche Erfahrungen sie macht. Wie sich die Filmabende mit Freunden verändern, seitdem dieser Satz „Ich bin vegan“ im Raum steht. Welchen Vorurteilen sie plötzlich gegenübersteht und wie ihr fleischessender Freund darauf reagiert. Das sind alles Momente, in denen ich mich ständig wiedererkannt habe. Besonders viel Spaß machen übrigens die Szenen, die sich in dem Nobelviertel in Hamburg, in dem Bettina Hennig lebt, so ereignen. Da, wo jeder Essenstrend mitgemacht wird und man lieber Laktose-Tabletten nimmt, um Milchkaffee trinken zu können, anstatt einfach auf Sojamilch umzusteigen. Bis es schließlich zum Eklat kommt, den wohl alle Veganerinnen und Veganer schon erlebt hätten (oder haben? ;)), wenn man sich nicht so gut beherrschen könnte …

Es geht aber nicht nur um den Umgang mit anderen und um die (veganen) Menschen, die sie auf ihrer Reise kennenlernt – wovon erschreckend wenige dem veganen Spielverderber-Klischee entsprechen, um das schon einmal vorweg zu nehmen – sondern natürlich immer auch um Fakten. Gerade die Mischung macht das Buch lesenswert: Es ist witzig, unterhaltsam, aber öffnet auch immer wieder die Augen. Es macht an diesen Stellen greifbar, was sich in der Theorie schrecklich anhört. Wir wissen zum Beispiel alle, dass für die Ei-Industrie die männlichen Küken nicht benötigt und getötet werden. Eine Szene ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, in der die Autorin das erste Mal in einem Video sieht, was das letztlich in der Praxis bedeutet.

Auch als sie sich schon für das vegane Leben entschieden hat, sieht sie sich Dokumentationen an, lernt durch andere Aktivisten dazu und letztlich bricht sie mit „Animal Equality“ in einen kleinen Schweinestall ein, in dem „Premium-Ware“ „produziert“ wird. Und die Tatsache, dass dies ein Betrieb ist, in dem es den Schweinen verhältnismäßig gut geht, in Verbindung mit dem, was sie dort zu sehen bekommt, weckt in mir das Bedürfnis das Buch am liebsten allen fleischessenden Menschen zum Lesen zu schenken.

Wer sollte es lesen?
Alle! Also: Ich würde das Buch so gerne allen ans Herz legen, die vegan oder vegetarisch lebende Menschen nicht so ganz verstehen können. Hennig beschreibt gut, was Menschen bewegt, die sich für diese Lebensweise entscheiden und womit sie im Alltag so konfrontiert sind. Natürlich findet auch das vegane Bullshit-Bingo seinen Platz und alleine dafür möchte ich es so gerne vielen, die genau diese Argumente immer und immer wieder bringen („Ich esse aber ganz selten Fleisch“, „Ich esse ja nur Bio-Fleisch“, „Tiere sterben doch sowieso“, etc., etc.) zum Lesen in die Hand drücken.

Natürlich ist es aber auch ein Buch für alle, die sich eh schon mit der veganen Ernährung beschäftigen oder sich vegan ernähren. Für die ersteren mag es festigen, was sie eh schon versuchen umzusetzen, und letztere werden sich einfach verstanden fühlen. So ging es mir jedenfalls oft beim Lesen und ich fühle mich nicht mehr so alleine, wenn es darum geht, sich endlich zu trauen „Ich bin vegan!“ zu sagen, ohne Rücksicht auf all die Vorurteile, die einem da entgegen prasseln.

Ein unterhaltsames, kluges Buch, das aber nie belehrend oder besserwisserisch wirkt. In meiner Veggie-Buchecke wird es nun einen besonderen Platz bekommen!

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  1. Pingback: Buchsaiten-Blogparade zum Jahresabschluss 2015 | growing up is for losers

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