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[Spiele] T.I.M.E. Stories (Ohne Spoiler)

“Sie suchen eine aufregende Aufgabe, die Ihnen unbegrenzte Aufstiegschancen bietet sowie die Möglichkeit, verschiedene Realitäten und Zeiten zu besuchen? Sie möchten die Ordnung des Raum-Zeit-Kontinuums und den Wohlstand unserer Gegenwart wahren sowie die unendlichen Reisemöglichkeiten nutzen, welche die „Tachyon Insertion“-Technologie bietet? Sie sind scharfsinnig, hochmotiviert und arbeiten gerne im Team? Sie fürchten sich vor nichts? Dann braucht die T.I.M.E. Agency Sie!”

Ja, ja natürlich das alles! Wenn man das denkt beim Lesen, dann ist man bereit für „T.I.M.E. Stories“ von den Space Cowboys.

Und darum geht’s:

Die T.I.M.E (Tachyon Insertion in Major Events) Agency kann Agentinnen und Agenten durch die Zeit reisen lassen: Die Agency steckt sie Zeitkapseln und beamt sie in Wirtskörper, in denen sie in der jeweiligen Zeit Aufgaben erfüllen müssen. Natürlich sind die Agenten wir und natürlich wissen wir am Anfang nicht so richtig, was eigentlich unsere Aufgabe ist. Und genau darum geht es: herauszufinden, was wir zu tun haben und das dann auch machen, indem wir Leute befragen, Orte besuchen und Rätsel lösen.

– Halt, Moment, woa! Leute befragen? Orte besuchen? Das ist doch kein PC-Spiel. Wie soll denn das gehen?

TimeStories

Das Spielbrett mit dem ersten Panorama-Bild zu diesem Szenario

Auf eine ziemlich geniale Art und Weise: Das Hauptspiel kommt mit dem Szenario „Nervenheilanstalt“, das uns ins Jahr 1921 bringt. Dieses Szenario besteht aus einem Kartendeck, das wir erst dann auspacken dürfen, sobald wir mit dem Spiel beginnen. Den Stapel durchblättern und womöglich die Karten ansehen ist absolut tabu! Wir decken nach und nach die Karten auf und diese ergeben ein Panorama, das die Basis der T.I.M.E-Agency zeigt, wo wir uns bereits in den Zeitkapseln befinden. So decken wir also die Orte auf: Je nachdem, an welchem Ort wir uns befinden, erscheint er als Panorama auf dem Spielbrett. Und hier haben wir dann die Möglichkeit, Menschen zu befragen oder Dinge genauer anzusehen – abhängig davon, was auf der jeweiligen Karte zu sehen ist, die wir „besuchen“ wollen.

Kartendeck

Die Karten durchzugucken ist tabu!

Manche Leute geben Hinweise, manche Dinge sind nützlich, manches bringt uns aber auch gar nicht weiter. So arbeitet man sich dann durch das Spiel, bis man immer mehr herausfindet und der Lösung mehr und mehr auf die Spur kommt. Das einzige Problem: All das kostet Zeit und Zeit haben wir nicht unbegrenzt. Nach einer gewissen Anzahl von Zeiteinheiten landen wir wieder in unserer Zeitkapsel und wenn wir bis dahin das Rätsel nicht gelöst haben, müssen wir halt noch mal los. Und natürlich fangen wir wieder genau da an, wo wir auch beim ersten Mal gelandet sind: am Anfang.

– Hört sich nach „Und täglich grüßt das Murmeltier“ an. Das ist doch langweilig das alles noch einmal erforschen zu müssen.

Ja, dachte ich zunächst auch. Aber so war es – zumindest für mich – dann gar nicht. Beim zweiten Durchlauf weiß man zum Beispiel schon, welche Leute man sich schenken kann, weil sie einem nicht weiterhelfen. Oder welche Objekte man auf jeden Fall einsammeln muss, weil man sie zum Weiterkommen benötigt. Oder man weiß, wo hartnäckige Gegner auf einen warten, die man am besten dieses Mal nicht alleine besucht … Und dann sind da noch Räume, zu denen man im ersten Durchgang noch gar nicht gelangt ist. Es ist also alles andere als eintönig. Ganz im Gegenteil: Es macht viel Spaß zu kombinieren, welche Dinge sich wie beeinflussen, und wie man sich also durch die Geschichte bewegen muss.

– Also kann man das Spiel wirklich beeinflussen? „Merkt“ sich das Spiel, welche Entscheidungen man getroffen hat?

Jap! Zum Beispiel kann man nach gewissen Entscheidungen Statusmarker erhalten. Irgendwann kommt man dann zu Karten, die man nur aufdecken darf, wenn man genau diesen Statusmarker hat. Und so „merkt“ sich das Spiel, welche Wege man zuvor gegangen ist. Übrigens: Die Status- und Ressourcenplättchen sind relativ abstrakt und schlicht gehalten, was daran liegt, dass sie je nach Szenario ihre Funktion verändern.

„T.I.M.E. Stories“ ist also zu empfehlen?

Ich hole mal aus. Fast alles an diesem Spiel hat mich abgeschreckt, als ich zum ersten Mal davon hörte: Man kann es quasi nur einmal spielen und dafür ist es relativ teuer, das futuristische Setting und alleine schon der Look des Spiels sprachen mich überhaupt nicht an. Natürlich war ich neugierig, weil ich Abenteuer-Spielbücher sehr liebe, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass das hier wirklich gelungen umgesetzt werden kann. Bei einer Vorstellung des Spiels auf der Spielemesse in Essen hörte ich dann, welche Szenarios in naher Zukunft geplant sind: es geht ins alte Ägypten, es geht in eine Fantasywelt … und da wurde ich ganz Ohr! Und ich bin so froh, dem Spiel eine Chance gegeben zu haben. Denn:

Ja, es ist empfehlenswert, allerdings nicht für jeden. Sehr zu empfehlen ist es, wenn man dieses Choose-Your-Own-Adventure-Prinzip mag. Theoretisch ist „T.I.M.E. Stories“ ein Spiel für Rollenspieler, das das Rollenspiel-Erlebnis auf ein paar überschaubare Stunden eindampft. Und es gibt keinen Spielleiter, denn das übernimmt das Spiel, das die Spieler mit auf die Reise nimmt und sie schockt und überrascht. Wer allerdings mit Rollenspielen und Rätseln nichts anfangen kann, wird hier sicher keine große Freude haben.

Natürlich darf man hier keine preisgekrönten Geschichten erwarten. Aber mir persönlich geht es auch gar nicht unbedingt um die Geschichte, sondern darum, wie sie erzählt wird. Und das ist schon ziemlich genial umgesetzt, da man das Kartendeck nach und nach erforscht und einfach nicht weiß, was die Spieler erwartet. Und uns hat das Spiel noch beschäftigt, nachdem wir es beendet hatten. „Was wäre gewesen wenn …? Und hätten wir mal an der einen Stelle das andere gemacht!“ Obwohl wir durch sind, wird das Spiel demnächst noch einmal auf den Tisch kommen, damit wir hier und da noch mal gucken können, was passiert, wenn wir uns an manchen Stellen anders entscheiden.

– Aber ist es nicht ein bisschen teuer, dafür dass ich es nur einmal spielen kann?

Kaum eine Diskussion wird zu diesem Spiel wohl häufiger geführt. Spiele-YouTuber Rahdo hat es für mich perfekt auf den Punkt gebracht: Die Grundbox ist wie ein DVD-Spieler, den man sich kauft. Dabei ist schon eine DVD – das erste Szenario. Und danach kann man sich DVDs (andere Szenarien) dazu kaufen. Natürlich kann man die Geschichten auch ein zweites Mal spielen, aber dann ist es wie bei einem guten Film: Die Magie vom ersten Ansehen ist dann nicht mehr da. Man weiß, was passiert, aber es macht vielleicht trotzdem Spaß, den Film noch einmal zu sehen – vielleicht mit anderen, die ihn noch nicht kennen (bzw. das Spiel noch einmal mit anderen spielen). Und so sehe ich es auch. Die Grundbox ist für mich eine Art Geschichten-Erzähl-Maschine, in das man halt neue Geschichten einlegen kann.

Bisher gibt es schon „Der Fall Marcy“, ein Zombie-Szenario, in dem eine mysteriöse Seuche eine Kleinstadt im Jahr 1992 befallen hat. Ende des Jahres 2015 erscheint dann das Fantasy-Szenario „Die Drachen-Prophezeihung“, welches in der alternativen Zeit 7553 spielt. Und dann soll noch eine Ägypten-Geschichte „Hinter der Maske“ im Februar 2016 folgen. Regelmäßig soll es so „Nachschub“ geben und ich bin sehr, sehr gespannt!

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  5. Die Idee mit dem DVD-Player mag ich ^^ – im endeffekt ist es doch bei allen spielen so, dass sie nach dem ersten mal nicht mehr ganz so spannend sind, spielspaß kann man doch dennoch haben, wie du sagst auch allein schon, wenn wer neues dabei ist🙂

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