Tagebuch
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Gothic Friday – Mai: Schwarz wie Ebenholz …

In diesem Monat geht es beim Gothic Friday ums Aussehen. Wie hat sich das Aussehen im Laufe der Jahre verändert, was ist mein Stil, was sind meine Vorbilder? Ich bin ja inzwischen mehr so „Gruftmädchen in Disguise“. Ich liebe, liebe, liebe die Optik der schwarzen Szene, trage selber meistens mindestens dunkle Klamotten, aber die Zeit, wo ich mit zerrissenen Strumpfhosen und schwarzen, toupierten Haaren herumgelaufen bin, liegt leider hinter mir. Schade eigentlich, weil ich diesen Stil noch immer liebe und strahlende Augen bekomme, wenn ich zurechtgemachte „Grufties“ sehe. Hier kommt trotzdem mal ein Rückblick und ich habe mich auch wieder auf die Suche nach Fotos gemacht, aber leider existiert da gar nicht so viel. Erst recht nicht von Cluboutfits – ja, die Zeit vor den Smartphone-Kameras! Schade eigentlich.

  • Wie hat sich euer Stil über die Jahre verändert?

Nietengürtel und -halsbänder, zerrissene Strumpfhosen, auch gerne für die Arme umfunktioniert, überhaupt habe ich so mit 15/16/17 Jahren am liebsten alles getragen, was ich mit der Schere zurecht geschnitten hatte. Und Buttons! Überall Buttons! Ansonsten war mein Kleidungsstil eher schlicht. Make-up genau so. Meistens beschränkt es sich bis heute auf den Eyeliner, ich mochte es noch nie, mehrere Schichten Make-up im Gesicht zu haben. Meine Haare waren meistens schwarzbraun, dunkelrot oder dunkellila. Als ich sie kurz hatte, habe ich sie manchmal Robert-Smith-like auftoupiert, aber ehrlich gesagt bin ich froh, dass davon nicht viele Fotos existieren😉 Ich fand es außerdem eher doof aufzufallen, weshalb ich unbewusst wohl immer den Mittelweg zwischen dem, wie ich aussehen wollte und dem, wie ich in Ruhe gelassen wurde, gewählt habe.

So richtig los ging es übrigens vor allem nach dem Film „The Craft/Der Hexenclub“. Ich fand die Hexen und natürlich Nancy so cool und wenn ich irgendwo ein Teil fand, was mich an sie erinnerte, wurde es gekauft. Ich habe damals sehr begeistert im Internet Webseiten von Goths gelesen und ihre Bilder bewundert. Auch in der Schule gab es in den höheren Jahrgängen 1, 2 Leute, die äußerlich ganz eindeutig der Szene zuzuordnen waren. Das waren meine persönlichen Helden und was habe ich sie angehimmelt. Genervt hat mich trotzdem immer das „Farbe steht dir so gut! Muss es denn immer schwarz sein?!“ der Familie. Also blieben immer auch ein paar bunte „Alibi“-Klamotten im Schrank.

Ich habe natürlich mal wieder Fotos herausgesucht, ein paar gab es ja schon hier zu sehen – und ich sagte es ja bereits: schlicht!😉

Mit 19/20 Jahren habe ich mich dann ziemlich intensiv mit Yoga und Indien und Co. beschäftigt und ich fühlte mich immer unwohler in schwarzen Klamotten. Also wurde mein Kleiderschrank bunter und heller. Ich habe sogar noch ein paar Batikteile und beigefarbene Hosen im Schrank (What was I thinking?!). Ach ja. Und als großer Motorsport-Fan bin ich außerdem im Besitz von zwei quietschgelben Shirts von Valentino Rossi, die ich sogar sehr gerne getragen habe. Meine Haare bekamen in der Zeit eine kurze Pause von der Färberei und ich wurde – zurück zur Natur – dunkelblond. Obwohl ich das Gefühl habe, so rückblickend, dass diese Phase nicht lange dauerte, habe ich sie anscheinend aber wohl voll ausgelebt😉

Mit 21 Jahren habe ich angefangen zu studieren. Ich erinnere mich kaum noch, wie da genau mein Klamottenstil war. Da ich aber fast nur Freunde zu der Zeit aus der Szene hatte und ich auch in der ersten Uni-Woche direkt Anschluss zur „Grufti-Clique“ fand, hatte ich da wohl schon die bunte Experimentierphase hier mir. Meine Haare hatte ich kurz und immer mal andere Farben, schwarz mit lila Pony, rot mit blondem Pony,… Mein Stil war mal wieder kein richtiger Stil. Röcke habe ich eigentlich nur zum Weggehen getragen, ansonsten schwarze Jeans und Shirt oder Kapuzenpulli. Hauptsache gemütlich.

Seitdem das Weggehen nicht mehr so interessant ist und ich einen ziemlich seriösen Job habe, habe ich mir übers “Schwarzsein” eher weniger Gedanken gemacht. Ich trag halt gerne dunkle Klamotten und höre alternative Musik und das ist es dann. Seit Ende 20 identifiziere ich mich aber wieder mehr mit der Szene. Warum? Hm, keine Ahnung. Vielleicht muss ich mal wieder zu mir selber finden, nach all den Jahren zwischen Uni und Job, wo man nur daran gedacht hat, was wohl in der Zukunft mal kommt und wie man bis dahin sein sollte. Ich verschlinge im Internet alles zur schwarzen Szene, seien es tolle Blogs von spannenden Menschen, Outfits bei Instagram oder alles von YouTubern wie „It’s Black Friday“, „The Gothic Alice“ und Co. Irgendwie fühle ich mich hier wieder angekommen und daher wird mein Schrank auch wieder schwärzer. Jahaa, es sind sogar meine ersten Pikes auf dem Weg zu mir! Die Schuhe, in die ich mich mit 16 Jahren verliebt habe und ich nirgends finden konnte, bestellte ich mir mit 30 nun endlich. In veganem Leder versteht sich.

Und so ist mein Stil auch heute noch schlicht, aber dunkel. Aktuelle Fotos gibt es leider gar nicht viele. Instagram sagt, so sehe ich heute aus (und ja, das ist zurzeit mein Lieblingsrock von the bat in the hat):

Es bleibt: Schwarz zu tragen, war für mich eigentlich nie ein Zeichen von Rebellion. Ich „wollte“ das immer, weil ich es schön fand und weil ich mich so wohl fühlte. Dass man damit Aufmerksamkeit erregte, fand ich schon immer eher lästig, weshalb mein Outfit auch immer eher schlicht war. Und trotzdem gab es ein paar unschöne Gespräche mit den Klassenlehrern, was denn mit mir los war und wildfremde Mütter wollten mich sogar aufnehmen, weil ich es als Grufti ja zuhause nicht gut haben kann. Das war eine sehr üble Phase. Aber ganz im Gegenteil. Wie gesagt: Rebellieren wollte ich nie, weil ich das zuhause nicht musste, dafür waren meine Eltern schon immer viel zu cool.😉

Wenn ich in meinen Schrank gucke, habe ich übrigens noch einige Teile, die ich mir als Teenager gekauft habe und die ich heute noch liebe. Ds schwarze Samtkleid zum Beispiel, oder der hexische kurze Rock oder meine noch heute heißt geliebte XXL-The-Cure-Jacke, die ich mir mit 15/16 Jahren bei XtraX gönnte und das wahnsinnig aufregend fand, weil es für mich damals so mein erstes richtiges „Gothic“-Teil war.

  • Oder wie würdet ihr euch gerne herrichten, gäbe es keine Hindernisse welcher Art auch immer (vom Zeitmangel über den konservativen Chef bis hin zur nicht kooperativen/vorhandenen Haarpracht)?

Schwarze, toupierte Haare, Sidecut! Ich liebe es! Alles was so unter dem Stempel Batcave oder Trad Goth läuft, geht klar. Und ja! Wenn ich könnte, wie ich wollte … aber das geht im Job leider so schlecht.

  • Habt ihr Styling-Vorbilder oder Inspirationen?

Im Moment sind es bei mir diverse Internet-Menschen. Wen ich ganz großartig finde: The Gothic Alice (YouTube, Instagram). (Allerdings nicht nur stilmäßig, sondern ich kann auch nicht genug von ihren Buch- und Filmtipps bekommen.)

  • Welche Accessoires sind unumgänglich?

Schmuck wie Ketten, Ohrringe und Ringe. Nachdem ich als Teenager ziemlich behangen war mit allem und dann jahrelang nichts davon getragen habe, kann ich gerade wieder nicht genug davon bekommen. Ich liebe die Ketten von „The Crypt of Curiosities“ oder „Curiology“. Mit 16 hätte ich auch noch „alles mit Nieten!“ als unumgängliche Accessoires bezeichnet, aber irgendwie reizt mich das inzwischen weniger. Piercings sind übrigens gar nicht mein Ding. Dafür trage ich lieber 1, 2 Ohrstecker mehr.

  • Für alle weniger visuell Orientierten: Ist das alles überhaupt wichtig? Empfindet ihr das alles als Teil der Szene?

Klar zeichnet der Stil die Szene aus. Ich finde es aber gar nicht soo wichtig, auch wenn ich es toll finde, was für Stile viele über die Jahre entwickelt haben. Ich finde es einfach schön. Und klar ist das ein Zeichen dafür, dass man zusammengehört und ähnlich tickt. Ich kannte aber auch viele „bunte Grufties“, die fest in der Szene verankert waren, jedes Wochenende in Szeneclubs anzutreffen waren, aber äußerlich dem Ganzen gar nicht auf Anhieb zuzuordnen sind. Ich war ja nun auch lange Zeit äußerlich relativ bunt, aber ich habe mich immer als Teil der Szene gefühlt.

Neulich im Podcast von „Cementary Confessions” sagte ein Gesprächspartner zu genau dem Thema, dass es nicht unbedingt die Kleidung sei, sondern: „Goths are trying to create a certain ambiance around them“ – das sei es, was eben jene ausmacht. Und da habe ich mich direkt wiedergefunden, denn alles in meinem Leben war eigentlich immer ziemlich gruftig (also um mal bei den Klischees zu bleiben: Edgar Allan Poe überall, Fledermäuse, Gargoyles, Hexenkram, Horror, Halloween, … you name it) und zeitweise war mir mein Outfit da einfach gar nicht so wichtig.

Ich denke es kommen einfach viele Faktoren zusammen und das Äußere ist ein Puzzleteil – ein großes – von vielen.

2 Comments

  1. Ich hab sicher schon erwähnt, dass ich solche Ausflüge in die Vergangenheit anderer irgendwie interessant finde oder?😄 und das mit dem keine bilder von weggeh outfits aus den 00ern kann ich absolut nachvollziehen, schade irgendwie – hat die smartphone generation wohl doch ach was gutes…
    lass uns bitte wissen, wie sich das ganze nun bei dir weiter entwickelt ^^

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    • Ja, ich finde es auch schade, dass es da nicht mehr Fotos gibt. Ist mir auch erst so richtig bewusst geworden, als ich gezielt nach Bildern gesucht habe:-/ Kann einem heute nicht mehr passieren😉

      Klar, das mache ich🙂

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