Filme & Serien
Comments 4

[Filme] Ghostbusters 2016

Es war nun endlich an der Zeit mir, als großer Ghostbusters-Fan, die 2016er-Version im Kino anzusehen. Und was ich da gesehen habe, hat mich so aufgewühlt, dass ich jetzt doch ein bisschen mehr dazu schreiben muss. Ich wollte den Film so gerne gut finden. Wirklich. Ich liebe die Welt der Ghostbusters, ich sehe die 80er-Jahre-Filme immer wieder gerne und halte mich, wenn die Sehnsucht besonders groß ist, mit den IDW Comics über Wasser. Jetzt einen Film zu haben, der wieder dort spielt und gespickt ist mit Anspielungen auf meine Helden? Ja, immer her damit! Aber letztlich ging ich ziemlich enttäuscht aus dem Kino. Warum? Darum:

Zu dem Film selber muss man vermutlich nicht mehr viel schreiben. Die „alten“ Ghostbusters hat es nie gegeben und wir erleben die Geschichte nun noch einmal neu: Drei Wissenschaftlerinnen, die sich mit dem Paranormalen beschäftigen, werden zunächst aus ihrem Institut gefeuert, machen sich dann auf Geisterjagd, eine Nicht-Wissenschaftlerin stößt zum Team dazu und letztlich müssen sie New York vor einer Geister-Katastrophe bewahren. Fun Fact: Der Bürgermeister is not amused. Mehr muss man dazu dann eigentlich auch gar nicht wissen, denn das kommt uns alles bekannt vor.

Die Frauen
Einen riesen Hype gab es zuvor um den Film, als bekannt wurde, dass die Geisterjäger nun -jägerinnen sind. Ist das wirklich ein Problem? Nein, ist es nicht. Die Schauspielerinnen und ihren Humor mag man oder nicht, aber die Besetzung war schon echt gut. Eigentlich hat mir diese Änderung sogar am meisten Spaß gemacht an diesem Reboot: Vier Frauen retten der Welt den Allerwertesten. Mehr davon! Aber. Ich bin weder ein Fan von Kristen Wiig oder Melissa McCarthy. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt schon jemals über eine der beiden lachen konnte. Und das hat sich dann auch hier wieder gezeigt. Beide versuchen sich (durch improvisieren?) die Bälle zuzuspielen, aber jeder Versuch witzig zu sein, verläuft ins Leere.

Am meisten freute ich mich übrigens über Kate McKinnons Charakter Jillian Holtzmann. Die durchgeknallte Wissenschaftlerin, die für mich das einzige Highlight des Trailers war. Die würde den Film für mich retten, das wusste ich. Ihre Funko Pop-Figur war so gut wie gekauft, ich wollte zur Sicherheit nur noch auf den Film warten … und die Funko Pop ist wieder aus dem Warenkorb rausgeflogen. Was ich in wenigen Minuten im Trailer amüsant fand, fand ich bei zwei Stunden unerträglich. Sie ist als Charakter absolut unberechenbar und einfach immer total übertrieben. Als ob nebenher ein Flummi durch alle Szenen springt. Wohl dosiert hätte Holtzmann zum Highlight werden können, aber so hat sie mich einfach nur genervt. Ich glaube McKinnon ist eine super Schauspielerin und ich freue mich auf mehr mit ihr, aber hier hat man sie einfach von der Leine gelassen und nicht wieder eingefangen. Mein unerwarteter Favorit hingegen war Patty, gespielt von Leslie Jones. Sie war die einzige, die irgendwie echt war und trotzdem lustig.

Kevin
Der Sekretär. Puh. Eine ganz schön alberne Rolle, ja. Aber auch wieder so unfassbar überzogen, dass man sich ständig fragt, was da jetzt lustig sein soll. Ein Witz: Immer wenn es darum geht, sich die Ohren zuzuhalten, hält sich Kevin seine Augen zu (na, erinnert ihr euch an das„Listen, do you smell something?“ von Stantz im alten Film? Eigentlich eine schöne Anspielung). Durch seine Brille ohne Gläser (die hat er herausgenommen, weil sie dreckig waren). Beim ersten Mal ist der Witz ja vielleicht ganz charmant, aber sie hören dann einfach nicht damit auf. Und dann kommt er wieder und wieder … das war einfach nicht eines Running Gags würdig und ach, let’s not talk about Kevin.

Die Witze
Und damit sind wir auch schon bei diesem Thema. Wer den Humor von McCarthy und Wiig super findet und auch von Saturday Night Live nicht genug bekommt, wird hier seine Freude haben. Eine Vorliebe für Pipi-Kaka-Pups-Witze schadet auf jeden Fall auch nicht. Wer nicht zu diesen Leuten gehört, hat dann wohl so viel Spaß im Kino wie ich, nämlich kaum. Und wenn sie es doch mal schaffen einen witzigen Moment zu erzeugen, schaffen sie es, die Szene so lange weiter laufen zu lassen, bis sie sich damit alles selber wieder kaputt machen. Als hätten sie improvisiert ohne Ende und der Cutter hat dann nach Belieben einfach mal irgendwo die Schere angesetzt. Und als hätte Regisseur Feig ihnen ständig ins Ohr geflüstert: „Du gehst jetzt zur Tür und öffnest sie und – ganz wichtig! – versuchst dabei möglichst witzig zu sein.“ Es ist einfach nichts auf den Punkt gebracht, was der alte Film in Perfektion konnte – hier war fast jeder Dialog zitierwürdig, im neuen ist mir nicht ein witziger Wortwechsel im Kopf geblieben (bis auf den Katzenwitz von Kevin, aber das auch eher, weil er facepalmwürdig schlecht war.)

Ein Beispiel. Als Janine Egon im Original fragt: „Do you have any hobbies?” antwortet Egon „I collect spores, molds and fungus“, und geht weg. Hätte es diese Szene im neuen Film gegeben, hätte die Person, die „I collect spores, molds and fungus“ sagt, noch verlegen hinterher geschoben, dass sie aber noch andere Hobbies habe und, äh, das soll nicht heißen, dass sie im Keller wohnt und ein totaler Nerd ist, und äh, unangenehme Situation und so und alle werden rot, hihi.

Uff.

Die Cameos
Dan Aykroyd, Ernie Hudson und Bill Murray, die alten Ghostbusters, tauchen kurz im Film auf. So auch Annie Potts und Sigourney Weaver. Auch an Harold Ramis wird zum Glück gedacht, der relativ am Anfang in Form einer bronzenen Büste zu sehen ist. Und ich muss wohl nicht sagen, dass ich mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten auf die Cameos gefreut habe. Annie Potts und Sigourney Weaver fand ich super, ich will hier mal nichts verraten, auch Ernie Hudson hatte eine Rolle, die mich positiv überrascht hat. Dan Aykroyd hingegegen spielt einen Taxifahrer, der sogar einen witzigen Satz hat! Ja! Als Kristen Wiig ihn anhält, um mitgenommen zu werden, faselt er etwas von einem „Klasse 5 Geist“ und erklärt Stantz-like weiter. Brüller! Doch dann kommt wieder das Problem, das dieser Film hat: Die Szene endet da nicht, er diskutiert mit Wiig weiter und sie schaffen es, seinen Auftritt mit einem „I ain’t afraid of no ghost“ enden zu lassen. Örgs. Das war dann wieder zu viel des Guten und einfach nur peinlich.

Und dann ist da ja noch die Rolle von Bill Murray. Hey, Bill Murray ist super witzig, die Szenen mit ihm werden klasse! Wäre da nicht die Tatsache, dass er einfach null Bock auf diesen Film hatte. Er war derjenige, der sich schon zu Lebzeiten Harold Ramis’ gegen Film Nummer 3 sträubte. Jetzt musste er mitmachen, da es sonst rechtliche Schritte gegen ihn gegeben hätte. Und wie man das seinem Charakter anmerkt! Er sitzt einfach nur da und rattert seinen Text runter. Das ist alles. Und dann sind die Szenen mit ihm auch noch die unnötigsten überhaupt. Er spielt ein bisschen das Gegenstück zum Bösewicht Walter Peck. Denn er ist ein Wissenschaftler, der nicht an die Existenz von Geistern glaubt. Wiigs Charakter kann das nicht auf sich sitzen lassen, lässt zum Beweis den einen Geist frei, den sie im ganzen Film fangen (!) und macht sich damit zum wohl dämlichsten Charakter, den die Geisterwelt seit Peck gesehen hat. Nur halt in schlimmer.

Die Effekte
Was ich sehr cool fand, waren die Effekte. Besonders toll: Der Film hat durchgehend oben und unten einen schwarzen Balken, als ob das Format nicht das richtige für die Kinoleinwand wäre. Der Clou: Kommen die Geister und der Schleim für die 3D-Effekte aus dem Bild „heraus“, dann fliegen die auch über die schwarzen Balken, was einen sehr tollen, realen Effekt erzeugt. Daumen hoch dafür! Oh und den großen Kampf gegen die Geister zum Schluss fand ich super! Sehr Bad Ass, sehr toll. Bis dann auch das übertrieben wird, als sie dem Endboss in den Schritt schießen und dann eine von ihnen aus dem geöffneten Portal gerettet werden muss. SchleFaZ lässt grüßen.

Und sonst noch?
Etwas, was mich an dem Film total gestört hat ist, dass so viele Geschichten angeschnitten, aber nicht weiter erzählt werden. Der Film beginnt in einem Spukhaus-Museum, wo der erste Geist erscheint. Wir erfahren viel über den Geist und sein Motiv zu spuken, die Geisterjäger fahren hin und lassen sich vollschleimen – das war alles. Der Bösewicht im Film ist einfach da, man erfährt nur über ihn, dass er der klassische Losertyp ist und das Buch der Ghostbusters gelesen hat, um damit Apparaturen zum Erwecken der Geisterwelt zu bauen. Ja und noch? Das ist alles. Warum hätte man nicht all die Geschichten, die angeschnitten werden, verknüpfen und verweben können? Es ist so viel Potenzial verschenkt und das finde ich schade.

Was hingegen super war: Auf der Suche nach einem Büro stoßen natürlich auch sie auf die legendäre Feuerwache, in der die alten Ghostbusters unterkommen. 1984 war es ein Schnäppchen, 2016 in Zeiten all der Start-Ups unbezahlbar – also müssen sie weitersuchen. Schön umgesetzt!

Also?
Würde ich also davon abraten, sich „Ghostbusters“ anzusehen? Nicht wirklich, denn wenn es genau dein Humor ist, wirst du den Film vermutlich lieben. Vielen Menschen hier im Internet geht es so, weshalb auch ich so viel Hoffnung hatte. Aber an mir geht dieser Humor einfach komplett vorbei. Genauso wie die große Holtzmann-Euphorie ausgebrochen ist – für mich ist sie neben Kevin die nervigste Person im Film.

Über die Geschichte brauchen wir ja gar nicht erst sprechen, die ist bekannt: Es ist ja die Geschichte des alten Films und die alleine reißt also nichts raus. Funktioniert der Film nicht, weil Frauen jetzt Ghostbusters spielen? Auf keinen Fall! Die Tatsache, dass es Frauen sind, hat es für mich persönlich überhaupt erträglich gemacht, weil es eben ganz erfrischend anders war.

Ich finde es ist einfach ein 08/15-Hollywood-Film, einer der schlechteren, der mühevoll versucht witzig zu sein. Macht dieser Film die alten Filme kaputt, wie es ja oft als Prophezeihung zu lesen war? Himmel, nein. Dazu ist dieser viel zu nichtssagend, er macht für mich nichts kaputt, aber rettet auch nichts. Das ist vielleicht auch der Vorteil des Reboots: Es wird nichts weitererzählt, mit dem man unzufrieden sein könnte. Es ist einfach noch mal ein neuer Film, der die alte Geschichte mehr oder weniger neu interpretiert. Diese zwei Stunden im Kino werden sicher bald vergessen sein und meine Ghostbusters-Welt bleibt eine heile😉

PS. Ja, es sind Menschen vor dem Ende des Films aus dem Kino gegangen und ja, ich habe ein Tränchen verdrückt, beim „For Harold Ramis“ im Abspann. ♥ Und fast vor Freude, als der erste Schauspieler aufgetaucht ist, der uns durch das wunderbare Gruselhaus führt. So hätte es gerne weitergehen können!

4 Comments

  1. Pingback: Ghostbusters (2016) – Extended Cut | FilmkritikenOD

  2. Gut, dannnn spar ich mir den. Gerade Humor ist bei mir so ein Problem bei Filmen, wenn etwas auf absichtlich lustig gemacht ist bekommt man mich damit nur ganz selten (das einzige in der Richtung ist evtl Kind of Queens aber auch nicht mehr als eine Folge…) insofern…
    Dennoch toll geschriebenes Review!

    Liked by 1 person

    • Ein bisschen verspätet aber dennoch: Danke!🙂
      Falls du ihn dir doch mal ansiehst, bin ich gespannt auf deine Meinung…

      Like

  3. Ich war auch nie großer Freund von dem Humor von Wiig und McCarthy, war von letzterer durch ihren eher zurückhaltenen Charakter positiv überrascht. Ansonsten kann ich deine Punkte allesamt gut nachvollziehen und würde dir am liebsten schnell aus den restlichen Schnipseln eine ordentliche Version zimmern.
    Ich glaube es wäre nur dann ein Meisterwerk geworden, wenn sie solange mehrere Zweierteams ein Drehbuch hätten schreiben lassen, bis Rick Moranis für ein Cameo zugesagt hätte.
    Aber das es jetzt nicht nur für Frauen ein sexy-Ghostbusters-Kostüm käuflich zu erwerben gibt, macht mich dann doch ein bisschen glücklich. Genauso wie die zahlreichen Bilder von kleinen begeisterten Mädchen in voller Ghostbusters-Montage.

    Liked by 1 person

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s