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[Spielbuch] Reiter der schwarzen Sonne

Umfangreichstes Spielbuch, innovativ, „Spielbuch der Superlative“, ausgezeichnet und mit großem Wiederspielreiz – das sind alles Beschreibungen, die man findet, wenn man sich nach dem Fantasy-Spielbuch „Reiter der schwarzen Sonne“ von Swen Harder umschaut. Und ja, ich war auch erst ein wenig erschlagen vom Umfang des Buches: Ein ganz schöner Wälzer! Obwohl ich Spielbücher liebe (Spielbücher? Was ist das überhaupt?), hat mich das doch zunächst ein wenig abgeschreckt. Die altbekannten Bücher von Ian Livingstone und Co. sind deutlich schmaler und manches Mal musste ich mich selbst da doch schon motivieren, eine Geschichte weiterzuspielen, nachdem ich zum drölfzigsten Mal „gestorben“ war und von vorne beginnen musste. Und jetzt bin ich sehr doch froh, dass ich mich an das Spielbuch von Swen Harder herangetraut habe.

reiterderschwarzensonne

Die Geschichte
Worum geht es? Der Klappentext verrät: „Du bist ein Ugarith, ein Meister der Nacht, der ohne Erinnerung an Herkunft und Vergangenheit nach der Ausübung einer verhängnisvollen Bluttat erwacht. Geächtet und verfolgt musst du dir fortan den Weg in die Freiheit erkämpfen, deine übermenschlichen Kräfte ergründen, um schließlich deine heilige Pflicht – die Begradigung des Weltenflusses – zu erfüllen …“ Hört sich also ganz schön nach einem epischen Fantasy-Abenteuer an und das ist es auch.

Die Regeln
Und was ist an diesem Spielbuch so anders als an anderen? Da gibt es so einiges. Fangen wir mal bei den Regeln an. Normalerweise – zumindest war es so bei allen, die ich bisher gespielt habe – gibt es zu Anfang erst einmal ein paar Regelseiten. Hier arbeitet man sich durch, um zu wissen, wie gespielt und zum Beispiel gekämpft wird und dann geht es los. Im „Reiter der schwarzen Sonne“ ist das natürlich auch so. Aber ich hatte vor dem Lesen echt Respekt vor dem Regelwerk, was wahnsinnig umfangreich sein musste im Verhältnis zum Rest. Und ich bin eher der Typ, der ein Spielbuch für die Geschichte spielt und nicht, um jede Regel korrekt auszuführen (ja, ich überspringe auch manchmal Kämpfe, weil ich die meistens doof finde. Ja! So, jetzt ist es raus.) Hier wird man als Leserin oder Leser aber nicht erst von zig Seiten Regelwerk erschlagen, sondern es geht direkt los nach ein paar Grundregeln. Da die Geschichte in mehrere Sektionen oder Kapitel unterteilt ist, gibt es dann einfach vor jedem Abschnitt weitere Regeln, mit welchen man so immer mehr vertraut gemacht wird. Ein bisschen so wie ein Tutorial, das sich durch die Geschichte zieht und das die Leser nach und nach an Komplexeres heranführt.

Bonuskapitel
Wo ich bei diesem Buch zum ersten Mal freudig gequietscht habe: Es gibt Bonussektionen, die man im Spiel mit etwas Glück und den richtigen Entscheidungen „freischalten“ kann. So kommt man an besondere Hinweise, Gegenstände und Fähigkeiten. Sehr genial! Und damit komme ich auch schon zum nächsten großartigen Punkt: Das Spiel merkt sich an entscheidenden Stellen, wann man wo welche Entscheidungen getroffen hat. Es gibt nämlich ein ausgeklügeltes Abenteuerblatt, auf dem so einiges vermerkt wird. Natürlich welche Gegenstände der Charakter gefunden hat, welche Fähigkeiten er sich angeeignet hat und mit welcher Stärke und mit welchen Waffen er kämpfen kann. Hier finden sich aber zum Beispiel auch die Schicksalspunkte. Insgesamt gibt es in der Geschichte 14 Schicksalspunkte zu entdecken, die eine Art Belohnung sind und sie erhöhen die Chancen, die Geschichte zum Schluss gut zu absolvieren. Nach jedem Kapitel erfährt man, wie viele dieser Punkte man gefunden oder eben nicht gefunden hat. Schnell packte mich hier der Ehrgeiz und ich habe ein Kapitel lieber noch einmal gespielt und mich auf die Suche nach den verpassten Punkten gemacht, bevor es weiterging.

Zwischendurch einfach abspeichern
Was das Abenteuerblatt ebenfalls bietet: Das Spiel lässt sich nach jeder Sektion abspeichern. Sobald ein Kapitel absolviert ist, ist der Zwischenstand gesichert und somit wird auf dem Blatt markiert, was alles mit ins nächste Kapitel gebracht wird. Sollte man dann sterben (ja, natürlich kann das auch passieren), kann man einfach den alten Zustand wiederherstellen. Und das war für mich wohl der größte Vorteil zu anderen Spielbüchern: Ich konnte mich richtig durcharbeiten und musste nicht jedes Mal wieder ganz von vorne anfangen, wenn ich an einer Aufgabe gescheitert war und starb. Denn dann ging es einfach nur zurück an den Start des jeweiligen Kapitels.

Abenteuerblatt

Komplexe Kampfsituationen
Wer aufmerksam mitgelesen hat weiß inzwischen: Kämpfe gehören nicht zu meinen Lieblingselementen im Spielbuch. Und doch gibt es auch hier von mir viel Lob. Denn die Kämpfe sind in ein extra Kapitel „ausgelagert“, können da entsprechend komplex sein und führen den Leser dann wieder von Entscheidung zu Entscheidung. Eine Art Spielbuch im Spielbuch. Und hier gab es so viele tolle Elemente, zum Beispiel muss man wirklich mit seinem Bleistift „kämpfen“ lernen oder in der weiteren Geschichte hat man einen Drachen an der Seite, welcher im Kampf bestimmte Bewegungen, die Drachenmanöver, ausführt und die kann man tatsächlich in den Kampfsektionen lernen. Ich habe jedenfalls mehrmals kurz innehalten müssen, weil ich so viele Ideen einfach so großartig fand und mich vieles eher an ein Videospiel als an ein Buch erinnerte.

Ach ja. Und Rätsel gibt es auch! So richtige Rätsel, die man lösen muss, denn sonst geht es erst einmal nicht weiter. Ich war mindestens einmal sehr, sehr froh, dass ich die Ausgabe mit Lösungsheft las, weil ich einmal echt „fest hing“ …

Die Special Edition
Ausgabe mit Lösungsheft? Das Spielbuch gibt es in der normalen Ausgabe, dann gibt es „nur“ das Buch, und in der Special Edition, die gerade mal 5 Euro mehr kostet, die aber schönes Zusatzmaterial dabei hat: Im Schuber gibt es da zum Buch eine Landkarte der Spielwelt, Lesezeichen im Design des Buchs, Postkarten, ein 20-seitiges Making-of-Booklet mit Rätsel-Tipps (wofür ich wie gesagt beim Lesen sehr dankbar war) und eine Soundtrack-CD mit Hintergrundmusik beim Spielen und zusätzlichen Inhalten, wie Seiten zum Ausdrucken. Die auszufüllenden Seiten gibt es aber auch praktischerweise zum Download im Internet.

Special Edition

Ich hatte das große Glück, auf der Spielemesse 2016 auf dem Stand des Mantikore-Verlages so eine Special Edition zu ergattern und da der Autor Swen Harder auch da war, konnte er sie mir direkt signieren. Für mich ein wahrer Schatz im Regal. Als nächstes liegt bei mir schon „Metal Heroes“ bereit. Thematisch ganz anders, reizt mich aber noch ein bisschen mehr als dieses Fantasy-Thema, und bin schon schwer gespannt – das kann nur gut werden!

Übrigens: Für alle, die mir nicht so recht glauben wollen, dass das Buch wirklich super ist, sei noch gesagt, dass es mit dem Jurypreis der RPC Fantasy Awards und dem Deutschen Rollenspielpreis ausgezeichnet wurde. Wer Rollenspiele, Fantasy und Spielbücher mag, sollte also wirklich mal reinsehen 😉

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