Unterwegs
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Hallo schönste Stadt der Welt! Hallo Edinburgh!

Wenn mich nach 2010 jemand nach meiner Lieblingsstadt fragte, war die Antwort immer: Edinburgh! Nach einem, leider viel zu kurzen, Wochenendtrip im November 2010 hatte ich mir fest vorgenommen, die Stadt ganz bald wieder zu besuchen. Sieben Jahre später habe ich es endlich geschafft, einfach kurzfristig Flug und Hotel gebucht und mich nach Schottland aufgemacht, zum ersten Urlaub ganz alleine.

Die Hotelsuche war schon direkt etwas frustrierend. Obwohl es keine großen Veranstaltungen in der Stadt zu der Zeit gab, waren alle bezahlbaren Hotels schon ausgebucht. Ich bin dann auf ein sehr gutes Angebot eines Vier-Sterne-Hotels in schicker Umgebung gestoßen, das Ballantrae Albany Hotel, und war ganz verzaubert von dem schönen Zimmer. Da fiel es schon ein bisschen schwer, das Zimmer überhaupt wieder zu verlassen 😉

Donnerstag

Tag 1 begann mit einem Spaziergang durch The Meadows zum Frühstück mit Elsa und Katrin. Die beiden haben mir dann noch ein bisschen was von dieser traumhaft schönen Stadt gezeigt, erst ging es durch diverse Charity-Shops und dann hoch zu Calton Hill – bei bestem Wetter. Und natürlich gingen wir auf dem Friedhof Greyfriars Kirkyard spazieren. Die alten Grabsteine, die ganze Geschichte der Stadt, die sich da spiegelt, natürlich all die Harry Potter-Momente (J.K. Rowling soll sich hier viele Inspirationen geholt haben) und von überall die wunderschöne Aussicht auf die Stadt und das Edinburgh Castle, das über allem thront.

Später bin ich dann noch da hin, ins Castle, was eigentlich schon beim letzten Besuch auf dem Plan stand. Allerdings musste es damals wegen eines ziemlich heftigen Wintereinbruchs mit Schnee und Eis für Besucher gesperrt werden. Also dann jetzt, bei Sonnenschein! Im Castle selber gibt es mehrere kleine Ausstellungen sowie einige Räume und Gebäude, die man besichtigen kann und auch draußen gibt es viel zu sehen. Wie zum Beispiel einen kleinen Hundefriedhof und Mons Meg, eine gewaltige Kanone aus dem 15. Jahrhundert. Und hier auf dem Castle wird täglich bis auf sonntags die „One O’Clock Gun“ abgefeuert, nach der die Seefahrer damals ihre Chronometer justiert haben.

Abends lag dann an, was man in Edinburgh nicht verpassen darf: Eine Gruseltour! Es gibt unendlich viele Geschichten zu herum spukenden Geistern in der Stadt und auch vieles in der Geschichte erscheint mir hier makabrer als irgendwo anders – Stichwort Grabräuber und allen voran Burke & Hare, die die Universität Anfang des 19. Jahrhunderts mit (selbst ermordeten) Leichen zum Sezieren versorgt haben. Vielleicht liebe ich diese Stadt deshalb auch so sehr.

Auf jeden Fall hatte ich für den Abend eine „Hidden & Haunted“ Tour (ab 18 Jahren, ui!) bei Mercat Tours gebucht. Dabei geht es auf eine Tour durch die unterirdischen Gewölbe der South Bridge, die um 1800 für so einiges genutzt wurden, wie zum Lagern von Fässern, zum Arbeiten und – natürlich, denn wir sind in Edinburgh – zum unauffälligen Transportieren von Leichen zur Universität. Da die Gewölbe sich so perfekt für kriminelle Aktivitäten eigneten, wurden sie schließlich im wahrsten Sinne des Wortes dicht gemacht und zugeschüttet. Bis sie dann erst lange Zeit später, nämlich in den 1980er Jahren, wiederentdeckt wurden.

Laut BBC soll dies einer der wahrscheinlich „most haunted places in Britain“ sein und viele Geisterjäger haben hier ihre Experimente durchgeführt. Die Tour war dementsprechend spannend. Natürlich haben wir „leider“ keine Geister gesehen, aber zu hören, was andere schon wahrgenommen haben dort, wo man selber gerade steht, war schon etwas creepy. Gerade, wenn man alleine unterwegs ist und niemanden zum Händchenhalten hat (hier noch ein Dankeschön für das freundliche, aber von mir abgelehnte, Angebot eines anderen Teilnehmers). Und natürlich war es total interessant, mehr über die Geschichte zu erfahren (einmal Historikerin, immer Historikerin). Abends bin ich jedenfalls sehr glücklich gegruselt ins Bett gefallen und hatte mir fest vorgenommen, in Edinburgh noch ein Buch mit mehr Geistergeschichten der Stadt zu kaufen.

Freitag

Wie Tag 2 nach diesem wirklich perfekten Tag noch übertroffen werden sollte, hätte ich nicht gewusst. Und dann stieg ich in den Bus zur Tour zum Loch Ness mit dem wohl großartigsten Tourguide der Welt: Mit „The Heart of Scotland“ ging es mit Guide James und 12 anderen Touristen auf eine 12-stündige Tour durch die Highlands. Vorbei am Doune Castle (wo zum Beispiel „Game of Thrones“, „Outlander“ und, für mich am besten, „Ritter der Kokosnuss“ gedreht wurde), zum Zwischenstopp in der kleinen Stadt Callander.

Dann zu den Three Sisters in Glen Coe und zum Ben Nevis – bei wirklich perfektem Wetter, da kam selbst unser Tourguide ins Schwärmen, weil die Sicht nur selten so gut sei. Highlight war dann der Stopp am Loch Ness, wo ich natürlich erst mal zum Souvenir-Shop musste (hier habe ich mir wie vorgenommen ein Geistergeschichten-Buch gekauft: check!) und dann habe ich auch die Bootstour über den Loch mitgemacht. Wenn schon rein ins Touri-Leben, dann so richtig. Zurück ging es unter anderem über Pitlochry und dann waren wir abends nach 12 Stunden wieder in Edinburgh.

Ich hatte erst etwas Sorge, dass es zu langweilig wird, wenn man den größten Teil des Tages nur im Bus sitzt. Aber die Sicht in den Highlands war atemberaubend und unser Tourguide James, ein „Ur-Schotte“, der noch total mit seiner Clan-Geschichte verwachsen ist, hat uns quasi pausenlos (12-stündige Tour, everyone!) von der Geschichte des Landes erzählt und das so, dass man einfach nicht weghören wollte und konnte. Dazu gab es am Anfang eine Vorstellungsrunde im Bus, bei der alle erzählt haben woher sie kommen und was sie so machen und so kamen wir dann auch in den Pausen schnell ins Gespräch. Ein sehr genialer Tag, gerade wenn man in wenig Zeit möglichst viel sehen möchte!

Samstag

Der dritte Tag war dann wieder komplett für die schönste Stadt der Welt reserviert. Erst stattete ich dem kleinen Buchladen „Transreal Fiction“ einen Besuch ab. Auf kleinem Raum kommt hier jeder Fan von Science Fiction, Fantasy und Co. auf seine Kosten. Natürlich konnte ich hier auch nicht ganz widerstehen und die Anthologie „Shadows over Baker Street“ musste mit: Sherlock Holmes in der Lovecraft-/Cthulhu-Welt ♥

Weiter ging es, wieder mit Katrin und Elsa, ins National Museum. Mein Gehirn konnte nach all dem Programm der letzten zwei Tage kaum noch etwas aufnehmen, aber theoretisch erfährt man hier vieles über die schottische Geschichte, es gibt eine naturhistorische Ausstellung, eine Technik-Ausstellung, wo man ganz viel anfassen und mitmachen kann und dann ging es noch aufs Dach, wo man eine großartige Sicht über die Stadt hat. Einen kurzen Besuch haben wir noch dem Writers‘ Museum abgestattet und dann habe ich noch meinen Mut zusammen genommen und bin in die Pathologie-Ausstellung im Surgeons’ Hall Museum. Ja, viele konservierte Organe und Leichenteile. Und ich war ein bisschen stolz: Denn mir wurde nicht schlecht! 😉

Abends habe ich dann noch relativ spontan bei der „Ghost Bus Tour“ mitgemacht. Wieder eine Busfahrt, aber dieses Mal mit unheimlichem Personal, gemütlichen Sitzen, Samtvorhängen und kleinen Lämpchen. Es ging auf einer witzigen, kleinen Tour durch die Stadt mit Zwischenstopp und Spaziergang auf einem der Friedhöfe und natürlich gab es wieder: Geistergeschichten ohne Ende. Es war ein perfekter Ausklang für meinen Kurztrip! Danach habe ich mir noch meine Kamera geschnappt und bin durch die Stadt spazieren gegangen, weil ich einfach gar nicht zurück ins Hotel wollte …

Sonntag

Am wirklich letzten Tag, vor der Fahrt zum Flughafen, gab es noch Frühstück im kleinen, veganen Restaurant Hendersons, einen letzten kleinen Gang über die Royal Mile und dann hieß es auch schon wieder: Bye bye und bis zum nächsten Mal, wunderschönste Stadt der Welt! Und hoffentlich auch bis ganz bald und noch einmal Danke, Elsa und Katrin! ❤

Was ich gelernt habe

  • Die App „Get Your Guide“ wird ab sofort ein ständiger Reisebegleiter. Über die Webseite habe ich schon Führung und Tour in Deutschland gebucht. Und auch spontan vor Ort konnte ich mir so noch einen Platz bei der Geister-Bustour sichern. Meine ausgedruckten Unterlagen beziehungsweise den Voucher in der App wollte niemand sehen: Überall stand schon mein Name auf der Teilnehmerliste. Ich war ganz begeistert, wie einfach und unkompliziert das ging. Wer also gerne so etwas bucht und auch vorher schon mal gerne Bewertungen anderer dazu checkt: Volle Empfehlung!
  • Schottischer Whisky ist in Schottland teurer als in Deutschland.
  • Der Ausstellungsbereich zu Sir Arthur Conan Doyle beziehungsweise Sherlock Holmes ist im Surgeons’ Hall größer als im Writers’ Museum (weil das Vorbild für Sherlock Holmes der Chirurg Dr. Joseph Bell war, während Conan Doyle im Writers’ Museum quasi nicht vertreten ist …)
  • Reisen alleine kann sehr angenehm sein.
  • Bis zur nächsten Schottland-Reise wird es nicht wieder sieben Jahre dauern!
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1 Comment

  1. spamdora says

    Ich war nur einmal in Edingburgh und das war 1997 zum Fringe Festival und das fand ich ziemlich verstörend … aber das lag an den Mitreisenden. 😉 Ich habe nur in Erinnerung, dass die Stadt überfüllt war. Ich muss Edingburgh in absehbarer Zeit noch mal besuchen … nicht zur Fringe Festival Zeit.

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